Wohnen in Chur ist zu teuer. Darum unterstützt breites Bündnis aus Architekten, Mieterverband, Wohnbaugenossenschaften, SP und Gewerblern die Initiative «Für mehr bezahlbaren Wohnraum». Handlungsbedarf sieht auch der Churer Stadtrat. Er schreibt in seiner Botschaft zur Initiative: «Der Stadtrat anerkennt die Wichtigkeit von bezahlbarem bzw. preisgünstigem Wohn- und Gewerberaum. Er ist auch der Meinung, dass in diesem Bereich künftig vermehrte Anstrengungen nötig sind».

Tatsächlich steigen die Mieten in Chur. Eine Studie des Immobilienberatungsunternehmens «ImmoCompass AG» hat festgestellt, dass die Mieten seit 2006 um 10 Prozent angestiegen sind. Sie sind deutlich stärker gestiegen als die Teuerung. Besonders in den letzten fünf Jahren erhöhten sich die Mieten um ein Prozent pro Jahr, die Teuerung im gleichen Zeitraum betrug aber minus zwei Prozent. Auch der Vergleichsdienst Comparis stellt zusätzlich fest, dass eine 3 bis 3.5 Zimmer grosse Wohnung in Chur im Durchschnitt (Median) 1‘598 Franken kostet. Vergleichbare Städte wie Thun, Fribourg, Biel oder St. Gallen sind günstiger. Erstaunlich ist, dass die Mieten in Chur beinahe das Niveau der Stadt Basel (1‘650 Franken) erreichen. Die Löhne in Basel sind aber um einiges höher.

Diese Entwicklung schadet der Attraktivität unserer Stadt. Sie schadet dem Mittelstand und Familien. Ein JA zur Initiative «Für mehr bezahlbaren Wohnraum» heisst: Künftig sollen wieder mehr Wohnungen für den Mittelstand und für Familien gebaut werden. So gewinnt Chur mehr Freiheiten – für das Budget von Familien und für die Gestaltung der Stadt. Um das zu erreichen, sind Genossenschaften die geeigneten privatwirtschaftlichen Bauträger. Sie müssen die Rendite nicht maximieren und verrechnen nur die effektiven Kosten und Rückstellung für Investitionen. Darum sind sie rund 15-20 Prozent günstiger als der Markt. Dieses Prinzip der Kostenmiete ist bekannt und bewährt. Und es funktioniert. Das zeigen bestehende Genossenschaften seit Jahrzehnten, beispielsweise die Wohnbaugenossenschaft am Mühlbach. Dort wohnt der Mittelstand und Familien in bezahlbaren Wohnungen.

Aktuell verfügt Chur über einen Anteil von rund acht bis neun Prozent genossenschaftlicher Wohnungen. Nach der Initiative soll dieser Anteil in den nächsten 20 Jahren auf 12 Prozent ansteigen. Das ist ein realistisches Ziel, das auf einer wissenschaftlichen Studie der HTW Chur basiert. Ein Vergleich mit anderen Städten zeigt: Chur verfügt über einen sehr tiefen Anteil Genossenschaftswohnungen. Mit 12 Prozent wäre Chur im Mittel der Schweizer Städte.

Die Initiative ist pragmatisch und lässt der Stadt Spielraum bei der Umsetzung. Der Mittelstand gewinnt, Chur bleibt für Investoren attraktiv.

Der Gegenvorschlag enthält kein verbindliches Ziel und von der Kostenmiete will er nichts wissen. Er ist eine parteipolitische Mogelpackung. Nur die Initiative nimmt die Politiker wirklich in die Pflicht und schafft Verbindlichkeit. Politik sollte nicht nur reden und versprechen, sondern verbindliche Ziele setzten und konkrete Massnahmen ergreifen. Diesem Anspruch genügt der Gegenvorschlag nicht.

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Lukas Horrer

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