Die älteste Stadt der Schweiz und ihr Umgang mit dem baukulturellen Erbe

Der Stadtrat möchte den baukulturell wertvollen «Gutshof zur Kante» abbrechen. Er soll einer breiteren Strasse weichen. Dieses Vorgehen zeugt von wenig Verständnis für das baukulturelle Erbe unserer Stadt und von fehlendem Innovationsgeist in der Stadtentwicklung. Leider ist das nichts Neues. Bereits in den 60er Jahren musste der historische Zeitzeuge aus der Gründerzeit am Bahnhof (ehem. «Hotel Steinbock») dem heutigen Globus-Gebäude weichen. Mit der Zerstörung identitätsstiftender Bauwerke wird die Geschichte unserer Stadt aus dem Stadtbild getilgt. Stück für Stück. Dieser Umgang mit unserer Baukultur steht der «ältesten Stadt der Schweiz» schlecht an.

Der «Gutshof zur Kante» ist eine der wenigen Bauten aus dem 18./19. Jahrhundert die erhalten geblieben sind. Er gehört zum baukulturellen Erbe und ist als «erhaltenswert» eingestuft. Es ist abstrus, wenn behauptet wird, der Zustand des Gebäudes rechtfertige einen Abbruch. Die Stadt Chur ist Eigentümerin. Wer, wenn nicht sie ist für diesen Zustand verantwortlich? Der Stadtrat führt die eigenen Versäumnisse als Argument für einen Abbruch an. Diese Logik versteht nur, wer sich der Verantwortung für unser Stadtbild entziehen will.

Zeit also, die Geschichte im Umgang mit Baudenkmälern unserer Stadt zu ändern. Dem Gemeinderat bietet sich diese Chance, wenn über den Abbruch im Rat befunden wird. Hoffen wir, dass er sie packt. Mit einem Nein würde er die Grundlage für eine bessere Verkehrslösung schaffen, die im Einklang mit der Verantwortung für unsere Baukultur steht. Eine innovative Lösung, die nicht blind zerstört, sondern mit dem Historischen spielt und gleichzeitig neues schafft. Für den Stadtbus könnte zum Beispiel eine Ampel zur Vortrittsberechtigung angebracht werden und die Velospur könnte in einer Arkade gezogen werden. Das Haus selbst kann mit einem angemessenen Aufwand erhalten werden und – wenn der politische Wille vorhanden ist – bezahlbaren Wohnraum bieten. So kann Heimat entstehen. Heimat ist dort, wo gelebt wird. Das Leben auf einer breiteren Strasse hat damit wenig zu tun.

Lukas Horrer

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